Was ist der Montessori-Ansatz in der Pflege?

Im Pflegealltag passiert es schnell, dass gut gemeinte Hilfe zu viel abnimmt. Ein Teller wird fertig hingestellt, Kleidung ausgewählt oder eine Tätigkeit übernommen, weil es schneller geht. Der Montessori-orientierte Ansatz stellt eine andere Frage: Was kann dieser Mensch noch selbst tun – und welche Umgebung hilft ihm dabei?

Von Maria Montessori zur Begleitung von Menschen mit Demenz

Maria Montessori entwickelte einen pädagogischen Ansatz, der Selbstständigkeit, sorgfältig vorbereitete Umgebungen und Lernen durch eigenes Tun in den Mittelpunkt stellte. Der Psychologe Cameron Camp übertrug Grundideen später auf die Begleitung von Menschen mit Demenz.

Dabei geht es nicht darum, ältere Menschen wie Kinder zu behandeln. Im Gegenteil: Ihre Biografie, ihre Entscheidungen und ihre Würde bilden den Ausgangspunkt. Vorhandene Fähigkeiten sollen wahrgenommen und Tätigkeiten so gestaltet werden, dass Beteiligung möglich bleibt.

Fünf Grundideen für den Alltag

  • Vorhandene Fähigkeiten sehen: Der Blick richtet sich nicht nur auf Verluste, sondern auf das, was weiterhin gelingt.
  • Aufgaben verständlich vorbereiten: Materialien liegen sichtbar, Schritte werden vereinfacht und Ablenkungen reduziert.
  • Wahlmöglichkeiten geben: Kleine, überschaubare Entscheidungen erhalten Selbstbestimmung.
  • An die Biografie anknüpfen: Vertraute Tätigkeiten, Musik, Gegenstände und Gewohnheiten können einen Zugang schaffen.
  • Das Ergebnis nicht bewerten: Entscheidend ist die Beteiligung, nicht ob ein Handtuch perfekt gefaltet oder der Tisch vollständig gedeckt wurde.

Wie kann das konkret aussehen?

Eine Bewohnerin, die früher gern im Haushalt gearbeitet hat, kann Besteck sortieren oder Servietten falten. Ein ehemaliger Gärtner gießt vielleicht Pflanzen. Wer Musik liebt, wählt bekannte Lieder aus. Eine Aufgabe wird so angeboten, dass sie weder überfordert noch bevormundet.

Auch die Umgebung spielt eine Rolle. Gut erkennbare Beschriftungen, Kontraste, feste Plätze für Gegenstände und eine ruhige Gestaltung können Orientierung erleichtern. Mitarbeitende geben Zeit, zeigen bei Bedarf den ersten Schritt und helfen erst weiter, wenn Unterstützung wirklich notwendig ist.

Was kann der Ansatz leisten – und was nicht?

Montessori-basierte Angebote heilen eine Demenz nicht. Forschung deutet jedoch darauf hin, dass passend vorbereitete Aktivitäten Engagement und positive Beteiligung unterstützen können. Die Studienlage ist nicht in allen Bereichen gleich stark; deshalb sind absolute Versprechen unangebracht.

Ob eine Tätigkeit passt, zeigt sich nicht am Namen der Methode, sondern an der Reaktion der Person. Ein Angebot darf abgelehnt werden. Tagesform, körperliche Beschwerden, kultureller Hintergrund und persönliche Vorlieben müssen berücksichtigt werden.

Montessori-orientierter Alltag in einer Wohngemeinschaft

Eine kleine Wohngemeinschaft bietet viele natürliche Gelegenheiten zur Beteiligung: Mahlzeiten vorbereiten, den Tisch decken, Pflanzen versorgen, Fotos ansehen oder einen Spaziergang begleiten. Der Alltag muss dafür nicht zu einem Beschäftigungsprogramm werden. Manche Menschen möchten aktiv mitmachen, andere beobachten lieber oder brauchen Ruhe.

Auf unserer Seite zu den betreuten Wohngemeinschaften von Montessori & Friends erhalten Sie einen Einblick in die Wohnform. Weitere Themen rund um Demenz und Pflege finden Sie in unserem Ratgeber.

Wenn Sie wissen möchten, wie wir den Montessori-orientierten Ansatz im Alltag umsetzen, können Sie unverbindlich mit unserem Team sprechen. Wir beantworten Ihre Fragen offen und geben Ihnen Raum für einen persönlichen Eindruck.

Quellen: Camp: Origins of Montessori Programming for Dementia · Yan et al.: Systematische Übersicht zu Montessori-basierten Programmen